Arbeiten = Spielen – (M)eine Lebensphilosophie

Wie soll sich arbeiten anfühlen?

Ich hege ja eine große Leidenschaft für Spiele. Als ich mich 2009 selbständig gemacht habe, war das auch schon so. Und irgendwann ist mir dann aufgefallen, dass ich beim arbeiten das selbe Gefühl habe, wie beim spielen. Wie kann das sein? Es gab und gibt in meinem Leben sogar immer noch Phasen, wo ich wenig Computerspiele spiele, dafür rund um die Uhr arbeite – sozusagen weils eh das selbe ist.

Learn to Play all Day - Meine LebensphilosophieSpielen ist für mich ein Begriff, der nicht direkt nur Spiele betrifft, sondern ein Gefühl beschreibt, durch das “arbeiten” eigentlich ersetzt werden sollte. Zumindest für mich hat sich bewahrheitet, dass durch dieses Gefühl Arbeiten=Spielen auch der Erfolg bei einer Sache kommt.

Wenn es leicht ist, wenn es sich wie spielen anfühlt, wenn ich Freude bei dem habe, was ich tue,… nur dann kann es bedeutsam sein und einen Wert haben.

Aber kann es denn immer nur Spaß machen?

Jetzt wirds interessant. Denn wenn es immer nur Spaß macht, möchte man meinen, dass man sich zu sehr in seiner Comfortzone bewegt. Aber das ist ja das faszinierende an Spielen, denn Spiele machen NUR Spaß, wenn die Balance zwischen Herausforderung, Lernen und Erfolgen stimmt. Ist ein Spiel zu schwer, sodass die Hürde, es zu lernen viel zu groß ist, dann hört man damit auf. Ist es zu leicht, dann wirds schnell fad. Ein bisschen paradox, wenn man bedenkt, dass das Ziel vieler Spiele ist, zu “gewinnen” bzw. etwas zu schaffen, wodurch es dann aber uninteressant wird. Gamedesigner habens echt nicht leicht 🙂

Als Selbständiger ist man auch sowas wie ein Gamedesigner. Man designed sich sein eigenes Spiel. Macht man es sich selbst zu schwer oder spielt ein Spiel, das einem garnicht gefällt, ist man natürlich leichter dazu geneigt, zu scheitern, also aufzugeben und das Spiel zu beenden. Ist es zu leicht oder macht man es sich viel zu leicht, dann ist es vielleicht nicht viel wert.

Was haben arbeiten und spielen gemeinsam?

Ein Spiel lebt von Zielen. Man nehme nur einmal World of Warcraft. Derzeit ist mein WoW Abo inaktiv, weil ich gerade 0 Sinn darin sehe, es zu spielen. Ich spiele seit dem 1. Beta-Tag vor unendlich vielen Jahren und hatte dazwischen immer mal Phasen, wo ich es garnicht gespielt habe. Aufgehört hab ich immer dann, wenn ich kein Ziel mehr hatte. Meine Ziele haben oft mit dem Berufe System zu tun gehabt, das mit den Jahren immer stärker vereinfacht wurde. Ich arbeite anscheinend in Spielen (Craften und Traden) und spiele in meiner Arbeit. Da sieht man wieder, wie auswechselbar diese Begriffe sind oder zumindest sein sollten. Warum ist das so?

Spielen und arbeiten teilen sich die wichtigsten Grundlagen: Lernen, Ziele erreichen und produktiv sein. Spiele sind da irgendwie einzigartig, denn eigentlich konsumiert man das Produkt eines anderen, ist dabei aber aktiv und produktiv und muss sich oftmals sogar eigene Ziele setzen ohne Quests, wie in Minecraft.

Ein Spiel ist Arbeiten in einer Sandbox, so würde ich es beschreiben. Ein Spiel ist ein geschützter Rahmen, in dem man auch mal “sterben kann” und es geht von vorn los. Spielen ist “arbeiten light”. Wenn man beim arbeiten Fehler macht, kann das auch schon mal ernster werden, zum Beispiel wenn man ein Unternehmen schließen muss oder pleite geht.

Das heißt aber nicht, dass das Spiel dann vorbei sein muss. Man kann einfach “respawnen” und von vorn beginnen. Nur wer das Spiel metaphorisch deinstalliert, hat wirklich verloren. Denn spielen und arbeiten lebt gleichermaßen vom Lernen, Trial & Error und Übung.

Man kann von Spielen so viel lernen

… dass es schon fast unheimlich ist. Wenn man genau hinschaut und analysiert, welche Spiele man gern mag, welche Fähigkeiten man darin benutzt oder worauf man besonders stolz ist, es erreicht zu haben, dann gibt das großen Aufschluss darüber, wer man im echten Leben ist oder sein will. Auch, wenn man gar keine Spiele spielt.

Ein Spiel ist wie eine Beta fürs Leben. Schade ist nur, dass so viele Leute im Spiel selbst hängen bleiben und sich nicht ins echte Leben trauen. Das heißt nicht, dass man aufhören muss, zu spielen, oder dass alle Gamer weltfremd sind und Angst vor der Welt haben. Ich glaube, dass Gamer sogar sehr viel Potential haben, mehr als Menschen, die mit Spielen nix am Hut haben. Sie müssten es nur nutzen und sich bemühen, dieses Spiel-Gefühl auch in den Arbeitsalltag zu integrieren.

Warum glaub ich das? Weil verspielte Menschen einen besonderen Blickwinkel auf die Welt haben, wie Kinder. Und diese kindliche Neugier bzw. Heiterkeit, wie sie auch die Buddhisten haben ist eine ziemlich mächtige Waffe. Nicht, damit einem alles scheissegal ist (wie Buddha :D), sondern, damit man genau diese Waffe nutzt, um die Welt zu verändern. Es ist wie eine Gegenkraft zu diesem ganzen Erwachsenenkram und dieser Ernsthaftigkeit, gegen die ich mich auflehne, seitdem ich denken – und spielen – kann.

Kann es sein, dass Leute, die gar nicht spielen, auch nicht sonderlich erfolgreich sind? Und dass Leute, die zu viel spielen, eigentlich gerne ihr Potential in der echten Welt auch nutzen würden und dann dort sehr erfolgreich wären? Nur trauen sie sich nicht?

Beim Spielen gibt es aber auch Abgründe, die die Grenzen zwischen Spiel und echtem Leben verwischen. Zum Beispiel wenn man Spielen muss, weil man keine Arbeit mehr hat 😀 Also Glücksspiele um Geld. Wo man ja NICHTS dafür tun muss, um zu gewinnen, außer Glück zu haben. Das verdient die Bezeichnung Spiel eigentlich nicht. Oder Lotto “spielen”. Nichts tun, nichts lernen, nur Glück haben. Spiele für Sozialisten.

Man kann von Spielen nicht nur total viel lernen, ich finde man sollte das eigene Leben auch viel öfter wie ein Spiel betrachten und sich fragen: “Was würde ich tun, wenn ich einfach respawnen – also nicht scheitern – könnte?”

Was du von deinem Spielverhalten lernen kannst

Wenn ich jemanden kennen lerne, online oder offline, der Computerspiele spielt, dann werd ich sehr neugierig. Weil es mir gleich verrät, dass dieser Mensch ein produktives Potential hat. Ob er es nutzt, auch im echten Leben und nicht nur im Spiel, ist eine andere Frage. Aber das Potential, die Neugier, der Wunsch, durch Produktivität und Spaß ein Ziel zu erreichen (=Erfolgsdenken) – das alles ist in einem Menschen, der spielt, angelegt.

Es gibt unter Gamern natürlich auch Abstufungen. In Overwatch zum Beispiel wartet man in einem Vorraum 1 Minute bis der Kampf losgeht. Da drin hat Blizzard ein Environment gebaut, das ungeduldige Spieler nutzen können, um sich die Zeit zu vertreiben. Flipper mit Blizzard Spielen, hüpfende Basketbälle für Zielübungen, etc. Manche Spieler schauen ein bisschen herum, ohne sich zu bewegen, andere erkunden hüpfend ihre Umgebung und sind ungeduldig, weil sie endlich was tun wollen. Ich interpretiere das so, dass letztere ein großes Handlungspotential haben und eine produktive Neugier, die sie im echten Leben nutzen können, wenn sie es nicht eh schon tun.

(Lustig: Blizzard macht sich Gedanken um unterschiedliche Spielverhalten. Sogar wenn man gegen die KI, also den Computer spielt, macht die KI Unfug in diesem Raum!!)

Du kannst auch dein eigenes Spielverhalten hinterfragen und analysieren, um Schlüsse für dein echtes Leben zu ziehen und dieses vielleicht in richtigere Bahnen zu lenken. Während meiner Zeit – und es war eine gute Zeit – im schweizer Quake3 Clan eXceed haben wir stundenlang, tagelang verschiedene Waffen trainiert. Und ich habe mich neulich gefragt, warum ich eigentlich so auf Shooter stehe, früher Quake, heute Overwatch – und die einzelnen Waffen analysiert.

Für den Rocket Launcher (Q3) oder Pharah (Overwatch) benötigt man zum Beispiel vorausschauendes Denken, man muss die längere Flugzeit des Projektils mit einberechnen. Für die Railgun oder Widowmaker benötigt man viel Geduld, Präzision, eine hohe Entscheidungsfreudigkeit, schnelles Denken, Reaktionsfähigkeit. Für das Spiel im Team braucht man strategisches Denken, die Fähigkeit, den Überblick zu bewahren und die Situation einzuschätzen.

Das sind alles Fähigkeiten, die ich in meinem echten Leben gerne mehr benutzt hätte. Nachdem ich dazu aufgrund gewisser selbstgemachter Umstände keine Gelegenheit hatte, habe ich es verstärkt in Spielen (und der Verwendung von Google Analytics – auch ein Spiel) ausgelebt. Das heißt nicht, dass ich darauf verzichte, wenn ich im echten Leben Gelegenheit dazu habe, sondern dass Spiele Fähigkeiten in konzentrierter Reinstform beanspruchen. Wie Ahornsirup.

Und nicht nur das, ich habe auch bemerkt, dass man in Spielen Fähigkeiten trainiert und ins echte Leben mitnimmt. Das kann auch skurril werden, wenn man beim Betreten eines Raumes das  Bedürfnis verspürt, zuerst links und rechts zu schauen und vorher ein Shrapnel hinein zu werfen 😀 Dann hat man vielleicht zu viel gespielt. Aber ich bin ja ein eher zappeliger und ungeduldiger Mensch und das Spielen von Widowmaker in Overwatch, ein Sniper, mit dem man oft lange Zeit lauern muss, hat mich viel Geduld gelehrt.

Wie viel Spaß das machen kann, siehst du in meinem Widowmaker-Highlight:

Natürlich kann man das auch auf andere Spiel-Genres übertragen, wie etwa Minecraft, das voraussetzt, dass man sich selbst Ziele stecken und ohne Vorgaben kreativ sein kann. Deshalb ist es auch so attraktiv für Kinder oder junggebliebene Erwachsene.

Also da sieht man, was man vom eigenen Spielverhalten lernen kann. Ich habe nach Feststellung dieser Tatsache Wege gesucht und gefunden, wie ich diese Fähigkeiten mehr in mein Leben integrieren kann. Was mich nicht daran hindert, weiterhin zu spielen, sondern mein Leben erfüllter macht.

Spielen ist eine Lebensphilosophie

Ich habe schon oft gehört, dass spielen kindisch oder peinlich ist. Phasenweise hatte ich sogar Schuldgefühle beim Spielen. Aber aufgehört habe ich damit nie, weil es ein wichtiger Teil meiner Identität ist. Ich glaube, Erwachsene, die nicht spielen, haben ein Problem – über kurz oder lang. Denn sie verschließen sich vor wichtigen Eigenschaften, die mit dem Spielen einhergehen. Und die es mir meiner Meinung nach ermöglicht haben, auch beruflich erfolgreich zu sein.

Nämlich Freude zu haben, produktiv sein zu wollen, Unbeschwertheit zu kultivieren. Das ist viel schwieriger, als griesgrämig sein, den lieben langen Tag. Das kann ja wirklich jeder. Aber durch die Pfützen vom Büro nach Hause hüpfen trotz 900 Euro Stromrechnung… dazu braucht man ein inneres Kind, das spielen will. Das sollten Erwachsene sich bewahren.

Und jetzt noch ein Zitat… falls dus mir nicht glaubst, dann glaub es Captain Kirk:
“The more complex the mind, the greater the need for the simplicity of play.”

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